Home » Information » Die Feuerwehr Mammendorf bei flächigen Großschadenslagen

Die Feuerwehr Mammendorf bei flächigen Großschadenslagen

Mit Extremwetter wird ein Phänomen beschrieben, das außerordentliche Wetterereignisse umfasst. Sintflutartige Regenfälle, extreme Trockenheit/Dürre, Wirbelstürme oder Blitzeis nehmen nicht nur gefühlt zu. Winterstürme treten im Winterhalbjahr im vorwiegenden Zeitraum von Oktober bis März, die Sommergewitter im Sommerhalbjahr in vorwiegenden Zeitraum von April bis September auf. Somit besteht letztlich das gesamte Jahr über die Gefahr von Unwetterereignissen, allerdings unterschiedler Art.

Was kann die Feuerwehr für mich bei Schäden nach einem Unwetter tun?
Für welche Einsätze ist die freiwillige Feuerwehr zuständig?
An wen muss ich mich wenden, damit ich schnell Hilfe bekomme?

 

Wir klären Sie auf, was die Feuerwehr Mammendorf nach einem Unwetter zu tun hat – und was sie nicht tut.

Zunächst ein wichtiger Hinweis:

Rufen Sie bei einer konkreten Gefahr immer sofort den Notruf 112 – wenn es die Lage erfordert, erhalten Sie von uns selbstverständlich Hilfe!

Auf der anderen Seite: überlegen Sie bei unkritischen Schadenslagen wie überfluteten Fahrbahnen zuerst, ob Sie dafür wirklich den Notruf 112 belasten müssen – Mitbürger, die vielleicht eine wirklich bedrohliche Schadenslage haben, bleiben so möglicherweise sehr lange in der Warteschlange der Leitstelle hängen. Denken Sie an Ihre Mitmenschen und halten Sie die Notrufleitungen für wirkliche Notfälle möglichst frei – vermeiden Sie in der ersten Stunde nach dem Ereignis unwichtige Anfragen an die Leitstelle.

Die Integrierte Leitstelle (Notruf 112) ist gerade bei Unwetterereignissen sehr stark belastet. Die meisten Schäden nach einem Unwetter sind nicht zeitkritisch und werden von uns nach und nach besichtigt und ggf. abgearbeitet. Warten Sie, bis das Unwetter vorübergezogen ist und begutachten Sie zunächst alle Schäden – entscheiden Sie dann, ob eine konkrete Gefährdung vorliegt. Sie erleichtern dadurch auch die Arbeit der Feuerwehr Mammendorf. Die Erfahrung zeigt, dass vor allem in den ersten Minuten viele völlig unwichtige und unkritische Meldungen eingehen, die dann von uns bearbeitet werden müssen und meist zurückgestellt werden. Notfälle und konkrete Gefahrenmeldungen werden dadurch nur unnötig verzögert.

Nachdem ein starkes Unwetter über das Gemeindegebiet gezogen ist und die Feuerwehrleute im eigenen Garten ein Chaos vorfinden, dauert es meist nicht lange, bis der erste Alarm für die Feuerwehr Mammendorf ausgelöst wird. Oft folgen weitere Einsätze im Minutentakt. Bedingt durch die meist große Anzahl gleichzeitiger Einsätze wird nun ein spezielles Vorgehen nötig: die Priorisierung von Einsätzen. Dazu wird bei einer entsprechenden Anzahl von Einsätzen im Gemeindegebiet im Feuerwehrhaus eine sogenannte Führungsgruppe eingerichtet. Die Leitstelle schickt dann die einzelnen Einsätze nur noch per Fax ins Feuerwehrhaus. Nur eilige Einsätze und Einsätze mit Menschenrettung werden nochmals alarmiert. Dadurch wird der Funk entlastet und wir können unsere Ortskenntnis gut ausnutzen, um die Einsätze je nach Dringlichkeit oder Machbarkeit einzuordnen. Die Führungsgruppe wird von mehreren Führungskräften in der Einsatzzentrale an den beiden Funkarbeitsplätzen und einem zusätzlichen Schreibtisch eingerichtet. Die Einsätze werden nun direkt an die einzelnen Fahrzeuge vergeben und durch die Kräfte vor Ort abgearbeitet.

Natürlich stehen uns nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung. Wir können selbst mit unseren sechs Feuerwehrfahrzeugen nur wenige Einsätze gleichzeitig abarbeiten. Deshalb fährt meist eine Führungskraft möglichst jeden Einsatzort an, erkundet dort die Lage und entscheidet über das weitere Vorgehen.

Andere Einsätze werden zunächst auch zurückgestellt, da es beispielsweise nur wenig Sinn macht, eine überflutete Straße abzupumpen – die Kanalisation oder auch die Sickerschächte können die Wassermassen ohnehin nicht abführen. Innerhalb einer Stunde hat sich das Problem – zumindest in Mammendorf – erfahrungsgemäß meist von selbst gelöst.

Viele Unwettereinsätze stellen sich bei der Erkundung als unnötig heraus. Entweder, weil keine Gefahr für die Öffentlichkeit besteht (Baumschäden über Privatgrundstücken), sich das Problem in absehbarer Zeit von selbst erledigt (überflutete Fahrbahnen) oder der Aufwand für die Feuerwehr nicht verhältnismäßig ist und Mannschaft und Gerät nicht unnötig gebunden werden soll. Auch die Leitstelle wird dadurch unnötig belastet und lebensbedrohliche Notfälle können unter Umständen nur verzögert aufgenommen werden.

Überlegen Sie sich deshalb bitte, ob Sie die Feuerwehr wirklich dringend benötigen. Vielleicht können Sie den Schaden selbst beheben, eventuell auch mit der Hilfe Ihrer Nachbarn, die vielleicht nicht betroffen sind. Einen kleinen abgebrochenen Ast können Sie nach dem Unwetter auch ohne größere Gefahr selbst von der Straße ziehen oder nur geringe Mengen Wasser in Ihrem Keller (weniger als 10cm) mit Kübeln und Lappen aufnehmen. Es laufen bei einem Unwetter nicht selten 20 Einsätze innerhalb kurzer Zeit ein. Es ist uns also ohnehin nicht möglich, alle sofort zu bearbeiten.

Konkret bedeutet das:

Auspumpen von Kellern

… wird erst ab einer Wassertiefe von einigen Zentimetern durchgeführt. Die Vielzahl der Einsätze macht dieses Vorgehen notwendig. Bei weniger Wasser müssen Sie leider selbst tätig werden. Auch macht das Auspumpen erst Sinn, wenn kein Wasser mehr von außen nachläuft.

Selbsthilfe-Tipp: prüfen Sie regelmäßig die Bodenabflüsse und eventuell vorhandene Rückstauklappen auf ihre Funktion. Stellen Sie bei einem Unwetter rechtzeitig den Strom im Keller ab, um Kurzschlüsse durch das Wasser zu verhindern.

abgerissene Äste

… werden von der Feuerwehr nur entfernt, wenn sie die öffentliche Sicherheit gefährden und der Einsatz von z.B. Motorkettensägen notwendig ist. Äste, die auf Privatgrund zu stürzen drohen und dabei keine erhebliche Beschädigung von Sachwerten zu befürchten ist, werden in der Regel nicht durch die Feuerwehr entfernt.

Selbsthilfe-Tipp: sichern Sie die Gefahrenstelle bis zum Eintreffen der Feuerwehr z.B. mit einem Warndreieck oder Ähnlichem ab. Kleinere Äste können Sie eventuell sogar selbst entfernen.

umgestürzte Bäume

… werden von der Feuerwehr ebenfalls nur bei einer unmittelbaren Gefährdung entfernt, z.B. wenn Bäume auf Häuser oder Straßen gestürzt sind oder zu stürzen drohen. Für alle anderen Fälle sind spezialisierte Gärtnerunternehmen zuständig, denen die Feuerwehr sogar von Gesetzeswegen keine Konkurrenz machen darf.

Selbsthilfe-Tipp: lassen Sie alte, kranke oder gefährdete Bäume rechtzeitig zurückschneiden oder fällen, damit es beim nächsten Sturm erst gar nicht zu einer Gefährdung kommen kann.

überflutete Fahrbahnen

… werden von uns meist mit niedriger Priorität bewertet. Die Kanalisation ist ohnehin bereits überlastet und ein Abpumpen macht zunächst wenig Sinn. Erfahrungsgemäß versickert das Wasser – zumindest in Mammendorf – nach kurzer Zeit von selbst.

Wichtiger Hinweis: Bitte melden Sie überflutete Straßen erst, wenn nach ca. einer Stunde noch immer gefährlich viel Wasser auf der Straße steht – Sie würden sonst nur unnötig die Notrufleitungen der Integrierten Leitstelle belegen. Die kritischen Punkte in Mammendorf sind uns bekannt und werden von uns selbstständig kontrolliert.

Selbsthilfe-Tipp: Heben Sie keine vermeintlich verstopften Gullydeckel selbst an – es kann dadurch ein lebensgefährlicher Sog entstehen.

Kostenpflicht

Bitte beachten Sie, dass die meisten Einsätze im Rahmen des Unwetternotdienstes auf Ihrem Privatgrundstück kostenpflichtig sind (§ 1 Abs. 2 der Satzung über Aufwendungs- und Kostenersatz für Einsätze und andere Leistungen der Feuerwehren – KSFw)! Bevor wir tätig werden, erhalten Sie von der Feuerwehr weitere Informationen über die Kostenpflicht. Meist können die Kosten von einer Versicherung übernommen werden – informieren Sie sich am Besten im Voraus bei Ihrer Versicherung.

Das richtige Verhalten

Bringen Sie sich trotz allem bitte nicht selbst in Gefahr! Achten Sie vor allem bei überfluteten Räumen darauf, dass der Strom abgeschaltet ist!

Bleiben Sie während des Unwetters in Ihrem Haus und versuchen Sie nicht, noch irgendwelche Sachen in Ihrem Garten zu retten. Warten Sie ab, bis sich das Unwetter verzogen hat. Beobachten Sie das Wetter in den Sommermonaten und verfolgen Sie am Besten im Voraus bereits die Warnmeldungen der Wetterdienste. Hilfreich sind auch Smartphone-Apps, z.B. die WarnWetter-App des Deutschen Wetterdienstes, die Sie per Push-Nachricht vor heranziehenden Unwettern rechtzeitig warnen können.

Rufen Sie bei einer konkreten Gefahr den Notruf 112 – wenn es die Lage erfordert, erhalten Sie von uns selbstverständlich sofort Hilfe!

Christian Huber
Kommandant

Bild: Einsatzzentrale im Feuerwehrhaus Mammendorf

geschrieben von